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"Er ringt sich ein paar Zeilen ab
Hat es langsam wirklich satt
Immer er und Blatt für Blatt
Seine Psyche, ziemlich blaß"

der kleine Krieger

 

 

 

 

Es war nicht der Vorabend der Schlacht, oder besser, der kleine Krieger wußte nicht ob dies der Vorabend war. Die Schlacht war ja sowieso keine, die mit einem Kampf erledigt wäre. Und doch gab es die Momente, in denen man weiß, es wird bald zu Ende sein doch soweit wars noch nicht.
Klar, der kleine Krieger kam sich allein vor, das tun kleine Krieger meistens. Doch war er gerade dabei , sich dazu zu bringen, nach einem scheinbar positiveren Lebensgefühl zu handeln, oder es zumindest zu versuchen. Das letzte Mal, als es soweit war, und er mit seinem Heer auszog, da war er noch ein anderer. Nun, verändern tut man sich immer, doch jetzt, so hoffte er, war er in Bezug auf die Art und Weise mit Situationen umzugehen, die die primären Kampfhandlungen betrafen ein echtes Stück weiter.
Er konnte sich noch allzu gut daran erinnern, als er an diesen Abenden nicht nur allein sondern auch einsam, getrennt von allen befreundeten Geistern dieser, seiner Welt, seine Wunden leckend, gebrochen, und selbstzerstörerisch darniederlag. Sie hatten ihn schwer getroffen, ja, auf seine zaghaften Versuche hin, die feindliche Front zu durchbrechen, antworteten sie erst mit vernichtender Teilnahmslosigkeit um ihm dann ohne das kleinste Zeichen von Mühe einen astreinen Beinschuß zu verpassen. Keine tödliche Wunde, und auch kein ernsthafter Grund zur Besorginis, bei einem so jungen Krieger wie ihm. Getroffen, nicht mehr zu ändern, doch keinenfalls Grund, die Schlacht als verloren zu betrachten. Doch genau das tat er. Nicht auf Dauer, doch eben an jenen Abenden. Statt sich den Dreck abzuwaschen, und die Situation zu sehen wie sie ist, katastrophal, doch nicht aussichtslos, badete er in seinem Selbstmitleid um sich das Gefühl zu geben, endgültig verloren zu haben. Doch leider funkrioniert das nicht. Entweder Du hast verloren, oder nicht. Jedes Vorwegnehmen verlängert lediglich die Kampfhandlungen, und macht einen Sieg ungewisser, vorzeitiges Ende bringt es nicht. Jedes Vorwegnehmen ist lediglich ein Trugschluß, eine zwar Unangenehme, ja, aber trotzdem eine illegitime Vereinfachung.
Das wusste er nun, vielleicht wusste er es immer schon, doch jetzt war er gewillt danach zu handeln. Und es schien als sei er auf dem besten Wege...

Der Vorabend der Schlacht war es nicht, wie gesagt, denn jeder Abend war der Vorabend, und wars auch wieder nicht. Der Pathos gehört nur auf die Schlachtfelder der Geschichtsbücher.
Er also da, der kleine Krieger, in seiner Höhle, traurig, doch keinenfalls gewillt, sich selbst noch länger zu betrügen. Es ging nicht mehr um Sieg oder Niederlage, denn, vielleicht konnte er das nicht bestimmen. Nicht dass er sich aus der Verantwortung ziehen wollte, nein, er wollte kämpfen, keine Frage, doch war er nur ein kleiner Krieger, das was er konnte würde er schon tun. Keine Pausen mehr voll selbstzerfleischender Hasstiraden, keine Abende mehr, an denen er sich auf den großen Tag vorbereitete um hinaus zu ziehn, den Tag, seinen Tag.
Denn jeder Tag war sein, und jeder Tag war Kampfestag, und blieb er auch Verlierer, so wusste er doch was er an sich hatte, und wollte sich nicht auch noch verlieren.
So legte er sich den Mantel über, den langen, schwarzen, der ihm auf den Schultern dieses Gefühl von bedeutungsvoller Schwere gab, und machte sich auf. Morgen für Morgen.

Wird er dann verlieren, so wird er das schon merken, doch alles was davor geschieht, das wird ihn nicht aufhalten auf seinem Weg.
Es gibt keine Zwangsläufigkeit, die macht man sich nur selber, und handeln muß man ohnehin, also doch besser gleich.
Auch Niederlagen müssen erst geschlagen werden, und ob es nicht doch Siege sind, das wissen wir zuletzt.